Colegio Alemán de Temperley
Colegio Alemán de Temperley
publicado el 19 de Setiembre de 2012

Nils Bergert

Argentinienreise 8.10. - 29.10. 2010


Schon als ich Freitag am späten Abend aus dem Bus ausstieg und in das "Colegio Aleman de Temperley" ging, wusste ich, dass diese Reise, dieser Austausch etwas ganz besonderes wird.
Ich war sehr aufgeregt wie mein Austauschschüler aussehen wird, wie seine Familie ist , wie das Haus sein würde und so weiter. Kurz nachdem ich den Pausenhof betreten hatte, auf dem alle Eltern versammelt waren, traf ich schon Pedro, der mich sofort seinem Vater Eduardo und seiner Schwester Juli vorstellte. Alle waren sehr sympathisch, die Mutter natürlich auch, sie bereitete nur an diesem Abend schon das Essen zu als wir ankamen. Bereits in der Schule wurde mir klar wie gastfreundlich die Argentinier sind. Etwa 7 Schüler stellten sich vor, boten an mit uns Deutschen Fußball zu spielen und abends feiern zu gehen. Schon war das Eis zwischen den beiden Gruppen gebrochen und bereits auf dem Weg zu Hause waren Argentinier und Deutsche schon bunt gemischt.
Am Wochenende ging es dann nach dem ersten Ländervergleich im Fußball - den Deutschland logischerweise gewann - in einen Kurzurlaub mit meiner Familie nach Carilo, ein wunderschöner Ferienort an der Küste etwa 400km südlich von Buenos Aires. Hier wurde ich erstmal mit Asado in die Argentinische Kultur eingeführt und ich wusste sofort, unter 5kg Übergewicht werde ich nicht zurückkehren. Meine Gasteltern kochten jeden Tag lecker und mehr als genug, und sollte ich doch einmal mehr Hunger haben, gab es immer noch etwas anderes zum Essen.
Zurück aus dem erholsamen Urlaub ging das Programm los und ich konnte in voller Frische die Schule und anschließend ihren Stadtteil Lomas de Zamora erkunden. Nach dem 5. Tag in Buenos Aires wurden auf der Rückfahrt im Bus schon die ersten Gerüchte ausgetauscht und man begann die Argentinier mit ihrer offenen, herzlichen Art zu vermissen, obwohl auch in der Deutschen Gruppe ein tolle Stimmung herrschte.
Am Donnerstag, also knapp eine Woche nach unserer Ankunft, begann dann der nicht endende Feiermarathon mit einer Überraschungsparty für Alex, der Geburtstag hatte. Während in Deutschland Hauspartys dort gefeiert werden, wo die Eltern im Urlaub sind, wird man in Argentinien freundlich mit dem üblichen Küsschen von diesen begrüßt.
Auf der Party selbst war eine super Stimmung, sofort tanzten alle, abwechselnd lief deutscher House und argentinischer Reggaeton oder auch Cumbia. Welche Musik gerade lief war eigentlich egal, doch irgendwie ließ es sich dann doch besser auf die argentinische tanzen. Wie schon gesagt, Freitag und Samstag setzte sich die Party mit Discobesuchen bis in die frühen Morgenstunden fort, und stets hatten alle riesigen Spaß und dass wir uns alle erst seit einer Woche kannten hätte kein Außenstehender geglaubt, es wirkte als wären wir bereits jahrelang befreundet.
Am Sonntag Abend trafen sich einige Argentinier und Deutsch in einer Bar um die kurze Nacht - der Bus nach Patagonien sollte schon um 4:30 fahren - durchzumachen, mein Austauschschüler durfte zwar leider nicht mit, aber ich hatte ja unter den anderen schon gute Freunde gefunden und so war dieser Abend wie jeder ein großes Vergnügen.
Die Busfahrt traten wir dann in getrennten Bussen an, dies erschien auch zunächst sinnvoll, da erstmal alle ein wenig Schlaf nachholen wollten. Doch als dies abgeschlossen war, beim Mittagessen wollten wir das erste Mal den Bus wechseln, ohne die Argentinier fehlte etwas.
Dies war aber leider aus versicherungstechnischen Gründen nicht möglich, und so blieben auch 6 weitere Versuche während der Fahrt leider ohne Erfolg. Doch bereits auf unserer ersten Zwischenstation in Las Grutas wurde nach dem Essen ein Gemeinsamer Sitzkreis eröffnet, indem wir Deutschen in die Argentinische Kartenspielkultur eingeführt wurden.
Als dann die sehr strengen argentinischen Lehrer um Mitternacht alle auf ihre Zimmer schickten, mussten wir aus dem Fenster gelehnt einen neuen Treffpunkt kommunizieren, um den interkulturellen Austausch unter uns Jugendlichen weiter voranzutreiben, sprich weiter zusammen zu feiern. Nach der Weiterfahrt nach Puerto Piramide wurde nach abgeschlossener Walbeobachtung wieder eine gemischte Gruppe gebildet. Dabei wurde gesungen, Gitarre gespielt, Mate getrunken und wieder Karten gespielt.


Nachts ging es dann in beiden Nächten auf die wunderschönen Dünen mit Meerblick, die Musik durfte natürlich niemals fehlen, das einzige, was uns irgendwann zumGehen bewegte, war die nächtliche Kälte. Am zweiten Abend sollte man aber ein weiteres unvergessliches Ereignis nicht verschweigen: Die beiden Guides Pablo und Gaston hatten am Strand ein Lagerfeuer vorbereitet und während alle gespannt den Geschichten von Pablo lauschten, gab es leckeres Stockbrot. Ein Beweis für das tolle Verhältnis von Deutschen und Argentiniern war die Sitzordnung, anstatt zwei Gruppen saßen immer abwechselnd Deutsche und Argentinier im Kreis, und dies ganz ohne Zwang sondern einfach, weil wir alle Freunde geworden waren.
Auch in den Apartments in Madryn war die Situation unverändert, bis um 1 Uhr alle Argentinier schlafen mussten und die Deutsche Gruppe mit Herrn Strecker und den beiden Guides loszog, um in einer Disco einen unvergesslichen Abend zu verbringen. Erst gab es eine Salsa-Show, dann durften wir bei Tanzspielen mitmachen und danach dann einfach nur noch tanzen und feiern bis zum umfallen. Auf der Rückfahrt stimmten dann alle im Freudentaumel Eintracht-Lieder und den Kerb-Schlager "Ober-Erlenbach" an, ein genialer Abend fand sein spätes Ende in den gemütlichen Betten der Apartments.
Zurück in Buenos Aires wurde allen erstmals klar, dass diese Situation nicht ewig anhalten würde, sondern man sich schon in einigen Tagen trennen musste und sich für lange Zeit nicht wieder sehen könnte. Schon die Verabschiedungen am Bus dauerten sehr lange, genauso lange dauerten aber auch die Begrüßungen der Schüler, die nicht mit nach Madryn fahren konnten. Alle Abschiedsgedanken wurden aber für weitere 4 Tage verdrängt, schließlich bedeuteten die schul- und programmfreien Tage Dienstag, Mittwoch und Donnerstag nochmal einigen Grund zum Feiern.
So wurde auch in den letzten Nächten getanzt, bis es wieder hell wurde und auch noch länger, Foto-Sessions begannen, jeder wollte ein Erinnerungsfoto mit jedem haben. Diese Szenen erinnerten fast an die Ausflüge, wo uns die Beliebtheit der Deutschen in Argentinien bewusst wurde. Kaum auf der Estancia angekommen, stürmten schon alle Argentinierinnen mit Kameras auf uns Deutsche zu und bestanden auf ein Foto. Bei der Abfahrt konnte der Busfahrer kaum losfahren, da sie den Weg blockierten, ein faszinierendes Erlebnis.
Es ging leider viel zu schnell, da war schon Donnerstag und man traf sich zur Verabschiedung in der Schule. Die letzte Feier nahm einen tollen Lauf, nach einigen Reden folgten Gesangseinlagen von Philipp und Anna-Lena, dann zeichneten die Argentinier uns Deutsche noch mit lustigen Titeln und Medaillen aus und in gelöster Stimmung wurde einmal mehr getanzt.
Doch schließlich stand die Fahrt zum Flughafen an. Obwohl uns fast alle Argentinier zum Flughafen begleiteten, flossen schon bei der Abfahrt des Busses erste Tränen über unseren Abschied. Am Flughafen dann folgte eine Umarmung der anderen und jede dauerte länger. Als wir dann endgültig auf die Sicherheitskontrolle zuliefen, flossen bei fast allen die Tränen, kaum einer konnte sie zurückhalten.
Nach der Kontrolle noch eine letzte Umarmung und dann mussten wir endgültig gehen, eine traurige Szene, die aber zeigt, wie wunderbar dieser dreiwöchige Austausch war und wie gut wir uns verstanden haben.
Doch wer denkt, alles wäre vorbei, der irrt sich stark. Ich hatte mehreren versprochen, wir gehen ins Frankfurter Stadion, wenn ihr im September hier nach Deutschland kommt, und den anderen, dass ich sie im Januar 2012 in Ludwigsburg besuchen werde. So wurde ein Wiedersehen besiegelt und zurück in Deutschland chatte ich jeden Abend wieder mit meinen argentinischen Freunden, so werden einige Nächte durch die Zeitverschiebung sehr lange. Nach 5 Tagen beschloss ich schließlich, nach dem Abitur nach Argentinien zu fliegen und alle wieder zu besuchen, die Planungen laufen schon auf Hochtouren, Häuser zum Wohnen fand ich sofort im Übermaß, die Finanzierung ist auch schon geklärt, nun muss nur noch ein Flug gebucht werden.
Also freue ich mich auf ein Wiedersehen im Juni 2011 und auf das Aufleben der wundervollen, tollen Erinnerungen an den einmaligen Austausch mit Herrn Strecker und Frau Hain im Oktober 2010 nach Buenos Aires!