Colegio Alemán de Temperley
Colegio Alemán de Temperley
publicado el 19 de Setiembre de 2012

Moritz Bernhard

Argentinienaustausch Oktober 2010 - Reisebericht


Unsere Reise in das knapp 14 Flugstunden entfernte Buenos Aires begann am Morgen des 8. Oktober mit dem gemeinsamen Einchecken am Flughafen Frankfurt.
Für unsere Reisegruppe waren die letzten vier Reihen im Jumbo reserviert, in die sich alle Schüler gemischt setzten und so schon schnell Kontakte mit Jugendlichen der anderen Schule knüpfen konnten. Ich selbst saß neben einer Argentinierin aus Buenos Aires, die sofort eine Unterhaltung mit mir anfing und mich fragte, wozu denn all die Schüler in ihre Heimatstadt fliegen würden. Ich erzählte ihr von dem Schüleraustausch und der deutschen Schule in Temperley und erhielt schnell einige Hintergrundinformationen von ihr. Zum Beispiel, dass man von Lomas de Zamora, dem Ort, in dem meine Gastfamilie wohnte, bis zur Innenstadt von Buenos Aires bei viel Verkehr über eine Stunde mit dem Auto fahren muss. Dieses Gespräch war ein erstes Anzeichen für die Offenheit und unglaubliche Freundlichkeit der Argentinier, aber auch für die riesigen Ausmaße der Stadt Buenos Aires.
Der Flug verlief ruhig und nach gut 13 ein halb Stunden in der Luft setzen wir in der Abenddämmerung zur Landung an. Nachdem alle ihre Koffer in die von der Schule gestellten Busse gebracht hatten, begann die circa einstündige Fahrt zur Schule, wo unsere Gasteltern schon auf uns warteten. Ich war natürlich sehr gespannt, wie mein Gastschüler und meine Gastfamilie sei, denn obwohl ich vor der Reise bereits mit Nico telefoniert und ihm Emails geschrieben hatte, hatte ich noch keine richtige Vorstellung davon, wie denn die Kommunikation funktionieren, wie das Haus aussehen und wie nett die Familie sein würde. Doch wie sich herausstellte, hatte ich riesiges Glück mit meiner Gastfamilie! Nico, mein Austauschschüler, war unglaublich nett und half mir direkt dabei, meine Koffer in das Auto zu laden. Ich musste mich zwar erst einmal an den argentinischen Akzent gewöhnen, doch nach und nach konnte ich mich immer besser mit Nico und seiner Familie verständigen. Nachdem alle Deutschen ihre Argentinier gefunden hatten und sich voneinander verabschiedet hatten, fuhr ich mit Nico, seiner Mutter und einer seiner beiden kleineren Schwestern nach Hause. Dort angekommen, gab es erst mal etwas zu Essen. Abendessen um viertel vor 12! Und was hätte es anderes geben sollen als "Carne"?
Ich glaube, ich habe in den drei Wochen in Argentinien mit meiner Familie so viel Fleisch gegessen wie ein normaler Deutscher in einem halben Jahr isst. Nicht, das mich das gestört hätte, denn das Fleisch war exzellent - zubereitet auf dem hauseigenen Holzkohlegrill und super zart serviert, war das Fleisch einfach "ricissima"!
Da wir freitags ankamen und montags ein Feiertag und somit keine Schule war, hatte jeder Deutsche zu Beginn gleich einmal drei freie Tage um seine Familie kennenzulernen und mit ihr etwas zu unternehmen.
Nicos Vater hatte für sich, Nico und mich Karten für das Fußballspiel des Vereins River Plate gegen Gimnasia gekauft. Das Spiel begann am Sonntagnachmittag und in weiser Voraussicht fuhren wir drei Stunden vor Spielbeginn los. Trotzdem kamen wir erst ein paar Minuten nach dem Anpfiff bei unseren Sitzplätzen an, denn an Fußballsonntagen ist rund um das Stadion "El Monumental", in dem 70.000 Zuschauer Platz finden, Ausnahmezustand in Hinsicht auf Stimmung, Menschenauflauf und eben leider auch Verkehr! Ganze Straßenblöcke waren abgesperrt und durften nur von den gegnerischen Fans benutzt werden um zum Stadion zu kommen, da ein Zusammentreffen der beiden Fangruppen unbedingt verhindert werden sollte. Denn zwischen den Fangruppen der argentinischen Clubs herrscht immer eine große Rivalität, was daran liegt, dass fast alle Teams der ersten Liga Argentiniens aus Buenos Aires kommen und die Spiele so immer ein Stadt-Derby oder wie man in Argentinien sagt ein "clasico" sind. Das heizt die sowieso schon temperamentgeladene Stimmung zwischen den Fans nochmals an und führt nicht selten zu Ausschreitungen. Diese "Ausschreitungen" jedoch sind für den argentinischen Fußball nichts Besonderes. Ein Fußballspiel ohne Feuerwerkskörper, Fans die den Platz mit allen möglichen Gegenständen bewerfen und teilweise fast unbespielbar machen und einer riesigen Rauchwolke über dem Stadion wären dort kein richtiges Fußballspiel. Alles in allem ist die Stimmung in einem argentinischen Fußballstadion wesentlich euphorischer als die im Stadion eines Bundesligaclubs.
Diese Fußballeuphorie zog schnell die deutschen Jungs in ihren Bann, und schon bald waren erste "Deutschland vs. Argentinien" Spiele vereinbart, die auf einem angemieteten Hartplatz mitten in Lomas de Zamora ausgetragen wurden. Natürlich verteidigten wir die deutsche Fußballehre und gewannen mit 27:23!
Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass Sport für meine Gastfamilie sehr wichtig war: Nico und sein Vater gingen sechs Mal pro Woche schwimmen und spielten zusammen Tennis und Fußball.


Aber außer Fußball und "Carne" gab es noch eine andere Leidenschaft, die sicherlich in den drei Wochen nicht zu kurz kam: "Fiesta!" Und zwar bis in die Morgenstunden!
Gleich am ersten Samstag organisierte Nico bei sich eine kleine Hausparty und lud viele Deutsche und Argentinier ein. Hier machten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem argentinischen Musikgeschmack. "Cumbia" und "Reggaeton" sind die beiden Musikrichtungen, die jede Argentinierin und jeden Argentinier sofort zum Tanzen bringen, vollkommen egal wo, wann und bei welchem Alkoholpegel. Das war bei den Deutschen leider anders, denn wir waren immer ein bisschen gehemmt und sicherlich auch beeindruckt von der argentinischen "Lockerheit" in Bezug auf das Tanzen. Doch mit der Zeit legten fast alle Deutschen ihre Hemmungen ab und begannen mit den argentinischen Schülerinnen und Schülern zu tanzen und Spaß zu haben. Mir persönlich hat es sehr gefallen, wie locker, offen und fröhlich die Argentinier waren und wie sie mit diesen Charaktereigenschaften unsere Gruppe positiv beeinflussten.
Allgemein war die Stimmung innerhalb der beiden Gruppen, aber vor allem auch untereinander immer sehr gut! Die deutschen und argentinischen Schüler mischten sich unglaublich schnell und die Verständigung untereinander verlief während der gesamten drei
Wochen mehr als perfekt! Dazu trug sicherlich auch die Klassenfahrt nach Puerto Madryn bei, auf der wir die Argentinier glücklicherweise begleiten durften. Denn jeden Abend trafen sich Deutsche und Argentinier auf Hotelzimmern, in den Dünen oder gingen in Diskotheken oder Bars und hörten Musik, unterhielten sich oder spielten Spiele. Dabei wurden viele neue Kontakte zwischen allen an der Fahrt beteiligten Schülern geschlossen. Nicht zu vergessen beim Berichten über diese Abende sind unsere beiden Reisebegleiter Pablo und Gaston. Diese beiden unglaublich unterhaltsamen Argentinier waren nicht selten bei den Zimmerpartys oder bei den Diskobesuchen dabei und sorgten immer für gute Stimmung! Beim Stichwort "gute Stimmung" gibt es noch jemanden, der auf keinen Fall vergessen werden darf: unser Spanischlehrer Herr Strecker, der wohl zu Recht von den argentinischen Schülern am Ende unserer Reise als "El más buena honda!" ausgezeichnet wurde. Denn Herr Strecker war bei jedem Spaß dabei, war immer bestens gelaunt und sorgte trotzdem dafür, dass die pädagogischen Ziele dieser Austauschfahrt nicht zu kurz kamen.
Die Fahrt nach Madryn trug meiner Meinung nach am meisten dazu bei, dass sich so viele neue Freundschaften entwickelten, die hoffentlich noch lange halten werden.
Ich selbst chatte jeden Abend mit mindestens einem Argentinier und freue mich jedes Mal, wenn ich etwas von Nico höre.
Ein angenehmer Nebeneffekt unserer großen Reisegruppe war, dass wir immer sofort Aufmerksamkeit erregten, egal wo wir gerade waren. Und diese Aufmerksamkeit bekamen wir meistens von irgendwelchen fremden argentinischen Mädchen, die einige der deutschen Jungs kennenlernen, mit uns Fotos machen oder uns sogar heiraten wollten. Dieses "Phänomen" war überall zu beobachten, wo wir hinkamen; vielleicht lag es einfach nur daran, dass die deutsche Gruppe so anders aussah als typische Argentinier, denn an blonden Haaren zum Beispiel mangelte es unserer Gruppe nicht. Jedenfalls war es immer eine lustige Situation, von Argentinierinnen belagert zu werden, die uns fasziniert anschauten oder im Geheimen Fotos von uns schossen.
Bei all den Eindrücken, Erlebnissen und dem vielen Spaß, den wir hatten, gingen die drei Wochen allerdings schneller vorbei als wir uns vorstellen konnten und als uns lieb war.
Und so kam wohl oder übel der Tag des Abschieds immer näher und als es dann soweit war, gab es viele Tränen. Bereits vor der Schule dauerte es eine halbe Stunde, bis die deutschen Schüler endlich im Bus waren und zum Flughafen losfahren konnten, obwohl uns dorthin noch mindestens 20 Argentinier begleiteten.
Auch mir viel der Abschied am Flughafen sehr schwer, aber sicher war es nicht letzte Mal, dass wir alle unseren neu gewonnenen Freunde sahen.
Viele deutsche Schüler nämlich haben bereits den Wunsch geäußert, im nächsten Sommer wieder nach Buenos Aires zu fliegen, um alle Argentinier wieder zu sehen. Auch ich werde nach dem Abitur hoffentlich nochmal nach Argentinien kommen, im besten Fall verbunden mit einem Praktikum bei einem Wirtschaftsunternehmen in Buenos Aires.
Für mich war die Reise nach Argentinien ein unvergessliches Erlebnis, an das ich mich noch lange und gerne erinnern werde!