Colegio Alemán de Temperley
Colegio Alemán de Temperley
publicado el 19 de Setiembre de 2012

Laura Lecoutré

Argentinien (8.10.-29.10.10)


Als wir am Freitagabend nach dem langen Flug endlich das colegio alemán betraten, fühlte ich mich sofort wohl. Wir Deutschen wurden alle schon sehnsüchtig erwartet und meine ganze Gastfamilie war gekommen, um mich zu begrüßen. Ich war so froh, sie endlich alle kennenzulernen. Im Flug habe ich mich schon gefragt, wie sie wohl sein werden, wie das Haus aussieht und ob ich mich gut mit ihnen verständigen kann. Aber als ich sie dann endlich gesehen habe, haben sie mich sofort gedrückt und geküsst und man hat gemerkt, dass sie genau so glücklich waren wie ich. Am schönsten war es für mich, Meli, meine Argentinierin, endlich persönlich zu sehen. Da wir schon lange Zeit vorher durch mails in Kontakt standen, kam es mir vor, als ob ich eine Freundin besuchen würde. Ich hab mich an dem Abend noch lange mit meiner Familie unterhalten. Doch mit dem Spanisch hatte ich anfangs noch ein bisschen Probleme, weil die Argentinier etwas anders sprechen, als wir es in der Schule lernen und weil ich durch die Zeitumstellung ziemlich müde war.
Ich habe allerdings schnell gemerkt, dass mein Spanisch von Tag zu Tag besser wird. Verstehen konnte ich nach mehreren Tagen ziemlich viel und das Sprechen wurde auch besser. Falls mir Vokabeln fehlten, konnte ich immer Meli fragen, die auch sehr gut deutsch sprechen kann.
Am ersten Wochenende hatte ich direkt die Möglichkeit, meine Gastfamilie besser kennenzulernen, da wir erst mal von der deutschen Gruppe getrennt waren. Mich hat das jedoch gar nicht gestört, denn ich hab gleich an den ersten 2 Tagen viel erlebt. Am Samstag habe ich ein bisschen von Lomas de Zamora gezeigt bekommen und abends war ich mit Meli auf einer argentinischen Party in dem Haus von einem ihrer Freunde. Dort waren auch andere Deutsche und viele liebe Argentinier. Wir haben uns sofort alle super verstanden. Die Partys in Argentinien sind ganz anders als in Deutschland. Dort haben wir alle den ganzen Abend auf reguetton getanzt. In Deutschland tanzt man ganz anders.
Mir hat es total Spaß gemacht, da ich tanzen generell liebe und die argentinische Musik mir auch super gefällt. Gegen 1 Uhr sind wir dann noch weiter in eine Disko gegangen, wo wir dann die ganze Nacht durchgemacht haben. Ich habe das Gefühl, dass der ganze Tagesablauf in Argentinien im Gegensatz zu Deutschland nach hinten verschoben ist. Alles findet dort ein bisschen später statt. Das Abendessen gibt es erst gegen neun oder zehn Uhr und während sich in Deutschland die Diskos gegen 3 schon langsam wieder leeren, geht die Party in Argentinien erst los.
So kam es also, dass ich erst gegen 7 Uhr im Bett war. Am nächsten Tag ist die Familie dann mit mir ins Zentrum von Buenos Aires gefahren, wo wir in Santelmo auf einem schönen antiquen Markt waren, danach durch den modernen Ort Puerto Madero gelaufen sind und schließlich noch in einem Einkaufszentrum auf der Calle Florida ein bisschen shoppen waren. In der Nacht sind Meli und ich wieder feiern gewesen. Diesmal war es ein Geburtstag von zwei Zwillingen, die 19 wurden. Da die Leute, mit denen wir einen Abend zuvor gefeiert haben, alle etwas jünger waren (also 15 oder 16) habe ich am Sonntagabend wieder ganz viele neue Argentinier kennengelernt. Ich muss wirklich sagen, dass alle Argentinier, die ich getroffen habe, sehr sehr nett waren und man sofort in die Gruppe integriert wurde. Ein Unterschied zu Deutschland ist auch, dass sich in Argentinien jeder mit einem Küsschen begrüßt, egal ob man die Person gut kennt oder nicht. Dies zeigt auch deutlich, wie offen und herzlich die Mentalität der Menschen in Südamerika ist. Mir gefällt das sehr.
Nach dem langen Wochenende habe ich mich allerdings auch gefreut, die deutsche Gruppe wiederzusehen. Wir tauschten alle aufgeregt unsere Erfahrungen aus und es gab eigentlich niemanden, der unzufrieden war. Außerdem haben wir auch mal die Schule gesehen und konnten in den Unterricht reinschnuppern. Die Schule dort kann man mit unserer gar nicht vergleichen. Sie ist viel viel kleiner und bei Weitem nicht so modern. Außerdem ist der Unterricht in den kleineren Klassen viel lockerer und das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ist eher freundschaftlich.
Ich persönlich finde, dass es auch einen Vorteil hat, wenn die Schule so klein ist, denn dadurch kennt jeder jeden.
Die ganze Woche über hatten wir nun immer ein großes Programm, wodurch wir viele tolle Sachen erlebt und gesehen haben.
Mehrere Ausflüge haben wir nur mit der deutschen Gruppe gemacht, was ich persönlich etwas schade fand, weil ich die freundlichen Argentinier dann schon ein bisschen vermisst habe. Aber aus unserer Gruppe waren auch alle super lieb. Jeder hat sich eigentlich mit jedem gut verstanden.


Am Donnerstagabend gab es wieder eine große Party, da Alex an dem Tag 19 geworden ist. Die Stimmung war, wie schon am Wochenende, super. Alle tanzten auf abwechselnd deutsche und argentinische Musik.
Weil es allen Spaß gemacht hatte, wurde die Party direkt am Samstag wiederholt.
Am Sonntag konnte ich jedoch nicht lange schlafen, weil an diesem Tag Muttertag war. Aus diesem Grund sind wir mittags zu der Verwandschaft gefahren, wo es ein riesiges asado gab und anschließend Torten mit reichlich dulce de leche.
Anschließend haben wir sogar noch den anderen Teil der Familie besucht. So hatte ich also an einem Tag die ganze große Familie kennengelernt und ich muss sagen, dass ich von allen mit großem Interesse empfangen wurde.
Und als ob wir an diesem Tag noch nicht genug gegessen hätten, lud mich meine Gastfamilie abends noch in ein Restaurant ein. Ich hab an diesem Tag so viel gegessen! Ich habe irgendwie das Gefühl, dass die Argentinier den ganzen Tag essen. Aber ich probierte in den drei Wochen auch alles, was ich aus Deutschland noch nicht kannte. Zum Beispiel dulce de leche, Mate, tarta, milanesa und noch andere Dinge..
Ich persönlich fand alles lecker.
In der 2. Woche sind wir mit der 11. Klasse nach Patagonien gefahren. Dort haben wir auch wieder viel erlebt. Zum Beispiel hab ich das erste Mal in meinem Leben einen Wal so nah gesehen. Das war schon beeindruckend. Und bei den Pinguinen war es auch sehr lustig, da wir direkt neben diesen laufen konnten und sie sogar hätten anfassen können. Außerdem hat diese Reise die Beziehung zwischen uns und den Argentiniern noch mehr gestärkt, denn abends haben wir oft alle etwas zusammen gemacht. Wir haben zum Beispiel gesungen, Gitarre gespielt, Mate getrunken oder Karten gespielt. Nachts gingen wir hoch auf die Dünen, die hinter dem Hotel lagen und von denen man einen tollen Ausblick hatte. Dort haben wir dann den schönen Tag mit ein bisschen Musik entspannt ausklingen lassen.
Am nächsten Abend bereiteten die beiden Guides Pablo und Gaston ein tolles Lagerfeuer am Strand vor und während wir den Geschichten von Pablo lauschten, gab es leckeres Stockbrot. Es war eine richtig tolle gemütliche Atmosphäre.
Auch hier merkte man wieder, dass wir alle Freunde geworden waren, denn es bildeten sich keine Grüppchen und Argentinier und Deutsche waren bunt gemischt.
Von Puerto Pirámide ging die Reise schließlich weiter nach Puerto Madryn. Dort haben wir alle in mehreren Apartments gewohnt. Ich fand das ganz cool, denn man hat wie in einer WG gelebt. Gut war auch, dass wir in diesen Wohnungen mehr Platz hatten, denn so konnten wir abends alle zusammen feiern.
Einen Abend sind wir Deutschen (die Argentinier durften leider nicht) mit den Guides und Herr Strecker in eine Salsa Bar gegangen. Anfangs waren wir nicht so begeistert, denn wir konnten alle kein Salsa tanzen, doch später wurde der Abend noch richtig lustig.
Das Wochenende verbrachten wir fast komplett im Bus, bis wir schließlich am Sonntagabend wieder in Buenos Aires ankamen.
Die letzten gemeinsamen Tage kosteten wir alle richtig aus und nutzten den Dienstag- und Mittwochabend, um noch einmal feiern zu gehen. Die Stimmung war allerdings gemischt, denn man wusste nicht wirklich, ob man sich freuen oder traurig sein sollte, da diese schon die letzten Abende waren. Am Donnerstag war es dann nun soweit. Wir mussten wieder nach hause fliegen. Nachmittags gab es zum Schluss noch eine Abschiedsfeier in der Schule und am Flughafen war dann die Zeit gekommen, endgültig Abschied zu nehmen. Mir fiel dies besonders schwer, denn Meli und ich sind richtig gute Freunde geworden und in meiner Gastfamilie hab ich mich schon fast wie zuhause gefühlt. Sie haben mir auch angeboten, dass ich sie immer besuchen kann und ich jederzeit willkommen bin. Ich möchte auf jeden Fall nochmal nach Argentinien fliegen. Die 3 Wochen waren einfach ein unglaublich tolles Erlebnis, das ich niemals vergessen werde!
Aber auch hier in Deutschland hab ich jetzt noch ein Stückchen Argentinien bei mir. Ich kann jeden Tag in meinem Zimmer die schönen Bilder an der Wand bewundern und immer wenn ich reguetton höre, muss ich an die vielen tollen Partys denken. Außerdem chatte ich regelmäßig mit ein paar Argentiniern, sodass wir die Freundschaft hoffentlich aufrechterhalten werden.
Vielleicht kann ich sie sogar nächstes Jahr schon wiedersehen.